Antiquariat Joseph Steutzger
Erdinger Str. 8   ·   85656 Buch am Buchrain   ·   Telefon 08124 - 910 330

Versand kostenlos in Deutschland   |   Zu unserem Graphikantiquariat   |   Zu unseren Gemälden
Thursday, den 24.05.2012      Ihr Konto | Warenkorb | Kasse
Haag-Wackernagel, Daniel : Die Taube. Vom Heiligen Vogel der Liebesgöttin zur Strassentaube 37,00 EUR
Bestell-Nr. 216318

Schwabe Verlag, 1998.
4°. - Rückenhöhe: 30,5 cm. - 245 S., mit zahlr., meist farb. Abb
Gebunden mit Schutzumschlag (verlagsfrisch - noch in Orig.-Folie) .

“Man muss Daniel Haag-Wackernagel, Privatdozent für Medizinische Biologie an der Universität Basel, für ein Buch loben, das auf beispielhafte Weise die kulturellen Faktoren einer Universalgeschichte der Tauben versammelt, durch die verschiedenen Kulturen verfolgt und in den wissenschaftlichen Aspekten der Genetik und Verhaltensbiologie überaus verständlich darstellt. Eine Kostbarkeit aber wird dies Buch dadurch, dass der Autor im Basler Verlag Schwabe einen Partner fand, der aus der Vorlage ein graphisch überaus ansprechendes Werk gemacht hat, welches Auge und Geist gleichermassen befriedigt. Aus der Masse schlampig gemachter Bücher ragt das angezeigte Werk durch seine exzellente Layout und Abbildungsästhetik und seine wissenschaftliche Qualität heraus. Ohne Zweifel wird sich das Werk von Haag-Wackernagel als das Standardwerk zur Kulturgeschichte der Tauben durchsetzen. Das seinerzeit zum Klassiker erhobene «Tauben-Buch» von Hilmar Hoffmann (1982) ist damit schlagartig abgelöst. Mit seiner Sammlung der kulturhistorischen Bildzeugnisse und lllustrationen, vor allem aber durch die abgesicherte Seriosität der wissenschaftlichen Darstellung übertrifft Haag-Wackernagel seinen Vorgänger bei weitem. - Für das Studium des Verhältnisses von Natur und Kultur kann es kaum ein besseres Beispiel geben als die Tauben. Alle Columbiden stammen von wilden Felstauben ab. Doch vermutlich seit Beginn der Agrarwirtschaft hat sich Zug um Zug das Leben der Tauben mit den Kulturformen der Menschen verbunden. Umgangssprachliche Namen wie Haus-, Strassen- oder Brieftaube bezeichnen recht gut, dass alle nichtwilden Taubenarten - dies sind die meisten - «auf der Grenze» zwischen Natur und Kultur leben. Die ohnehin kaum zu überschätzende Bedeutung, die Tiere für den Aufbau der materiellen wie der symbolischen Kultur gespielt haben, zeigt sich besonders klar an der Taube. Wenn man heute Tauben als Bioindikatoren für ökologische Verhältnisse in Städten verwendet, so könnte man sie für die vergangenen 6000 Jahre gleichsam als «Mikrologien», als signifikante Anzeiger der jeweiligen Kultur lesen. In dieser Weise hat Haag-Wackernagel sein Buch angelegt. Wenn er den «Weg der Taube durch Völker und Zeiten» nachzeichnet, dann öffnet er immer das Fenster weit genug, um ganzer Kulturen ansichtig zu werden. Diese Verwebung von Taubenhistorie und Humangeschichte gelingt deswegen, weil bereits die alten Hochkulturen der Welt überraschend viel Zeugnisse ihres Verhältnisses zu Tauben hinterlassen haben. Und zwar Zeugnisse, die in die kulturelle Mitte der jeweiligen Kultur führen. Eben dies zeigt, dass Tauben bereits sehr früh intensiv «semantisiert» wurden, d. h. einen bedeutungsvollen Platz in der symbolischen Ordnung der Kulturen erhielten, ebenso wie wichtige Praktiken sowohl sakralritueller wie agrarwirtschaftlicher Art, mit Tauben verbunden wurden. Derart aus Kleinem grosse Zusammenhänge zu buchstabieren gelingt dem Autor, weil er über die archäologischen, schriftlichen und bildkünstlerischen Zeugnisse von Tauben seit den ältesten Dokumenten souverän verfügt. Man kann das Buch systematisch lesen, aber ebenso in ihm geniessend spazieren oder es als Nachschlagewerk benutzen.” (Hartmut Böhme, in : Neue Zürcher Zeitung)
SW :